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Heuschrecken – Die möglichen „Partner“ der DFL (s. unten)

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Heuschrecken – Die möglichen „Partner“ der DFL

Gegen alle Fanproteste will die DFL ihr Investoren-Projekt durchziehen: Demnach kassiert die DFL rund eine Milliarde Euro und beteiligt im Gegenzug für 20 Jahre ein Investment-Unternehmen mit acht Prozent an den Einnahmen aus Medienrechten. Mal abgesehen davon, dass es sich dabei um einen weiteren Schritt auf einem Weg handelt, der den Profifußball dem totalen Kommerz unterwirft – es ist auch zu fragen, mit wem sich die DFL da einlässt. Nach einer Vorauswahl sind noch zwei Anbieter im Rennen. Bei beiden handelt es sich um Investmentfirmen, die an einer Vielzahl von Unternehmen beteiligt sind. Darunter befinden sich einige, deren Geschäftsmethoden ziemlich zweifelhaft sind.

Es gibt die Befürchtung, dass der künftige Investor auf Entscheidungen der DFL Einfluss nehmen wird, beispielsweise auf die Anstoßzeiten. Sicher ist jedenfalls: Die DFL wird umgekehrt kaum Einfluss auf die Geschäftspolitik ihres Investors nehmen können. Ob umweltschädliche Unternehmen, Rüstungsfirmen, Putin-Zulieferer oder Unternehmen, die Menschenrechte verletzen: Sie alle können mit dem künftigen DFL-Partner zusammenarbeiten – sei es, dass er mit deren Geld Investments betreibt (wie bei der DFL), sei es, dass er bei diesen Unternehmen Kapitalanteile hält. In beiden Fällen hätte die DFL keinerlei Einfluss drauf.

Die beiden Kandidaten, die noch zur Auswahl stehen, lassen in dieser Hinsicht wenig Gutes erahnen. Schon deshalb nicht: Beide beziehen laut ARD-Sportschau einen Teil ihrer Gelder aus dem Public Investment Fund (PIF). Das ist der saudi-arabische Staatsfonds und sein Vorsitzender ist niemand anderes als Kronprinz Mohammed bin Salman. Wir kennen ihn als mutmaßlichen Auftraggeber für den heimtückischen Mord am Journalisten Jamal Kashoggi.

 

Der eine Kandidat ist CVC Capital Partners, ein Privat-Equity-Unternehmen mit Sitz in Luxemburg, das rund 115 Milliarden Euro Kapital verwaltet. CVC wird zunehmend im Bereich Sport aktiv– neben Fußball beispielsweise in der Formel 1. Laut „Kicker“ hat CVC „in die spanische La Liga und die französische Ligue 1 investiert, worin Kritiker jedoch eine zu große Konzentration möglicher Einflüsse sehen“. Laut Medienberichten sind die Vereine der französischen Liga allerdings unzufrieden, da ihnen eine Verringerung ihrer Einnahmen droht.

Seit 2016 ist CVC mit 60 Prozent am Wettanbieter Tipico beteiligt. Tipico hat nach Auffassung von Rechtsexpert:innen jahrelang illegale Glücksspielgeschäfte betrieben. Gegen das Unternehmen klagten viele Kunden wegen Spielverlusten und erhielten vor zahlreichen (Ober-)Landgerichten Recht. Im Mai 2021 berichtete der „Spiegel“ unter der Überschrift „Die schmutzigen Geschäfte des Wettanbieters Tipico“, dass die Firma Provisionszahlungen am Fiskus vorbeigeschleust und damit Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben soll. Zudem seien zahlreiche Franchise-Partner, die Tipico-Wettbüros betreiben, im kriminellen Milieu unterwegs. Nichtsdestotrotz ist Tipico seit Längerem Sponsor der DFL und einiger Bundesligavereine.

Interessant an CVC, dem möglichen DFL-Investor, ist auch die Figur von Alexander Dibelius, dem Deutschlandleiter bei CVC, der auch in der Leitung von Tipico sitzt. Dibelius gilt als einer der gerissensten und wohl auch skrupellosesten Finanzmanager Deutschlands. Vor 2015 war er alleiniger Geschäftsleiter der umstrittenen Investmentbank Goldman Sachs in Mittel- und Osteuropa, incl. Deutschland und Russland. Zeitweise beriet er Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er machte sich 2010 unbeliebt mit der öffentlich vorgetragenen Bemerkung: „Banken haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern“, was in erklärtem Widerspruch zum Grundgesetz steht. Getreu diesem Motto verhielt sich Dibelius bei seinen Geschäften mit Goldman Sachs so aggressiv, dass zahlreiche Firmen und öffentliche Unternehmen die Verbindung aufkündigten. Entsprechend schlecht beleumundet, verließ Dibelius Goldman Sachs und übernahm die Deutschlandleitung von CVC. Im Profifußball ist er offenbar willkommen.

 

– Blackstone, der zweite Kandidat für die DFL, ist eine US-amerikanische Investmentgesellschaft, die ein Vermögen von rund 900 Milliarden Euro verwaltet. Mitgründer und langjähriger CEO des Unternehmens ist Stephen Schwarzman, der dem ehemaligen US-Präsidenten Trump persönlich nahesteht. Zu den zahlreichen Beteiligungen von Blackstone gehörten und gehören auch einige äußerst zweifelhafte. Einigen dieser Firmen wird vorgeworfen, an massiven Zerstörungen des Amazonas-Regenwaldes tätig zu sein. 

In Deutschland ist Blackstone auch als Immobilienhai aufgetreten und zählt zu den Unternehmen, die der damalige SPD-Chef Müntefering einst als „Heuschrecken“ bezeichnete. In Berlin besitzt Blackstone mehr als 3.000 Wohnungen, deren Mieter:innen vielfach stark steigende Mieten und mangelnde Instandhaltung beklagten. Die Berliner Blackstone-Immobilien gehören zu denen, gegen die sich 2018 das erfolgreiche Referendum „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ richtete. Kein Zufall: 2019 kritisierte der UN-Sonderberichterstatter für Wohnen als Menschenrecht Blackstone und seine Tochtergesellschaften öffentlich für ein Geschäftsmodell, das Menschen mit niedrigem und zunehmend auch mit mittlerem Einkommen aus ihren Wohnungen verdränge.

Ein anderer Blackstone-Boss („senior executive“) ist David Blitzer, der auch über weitere Firmen weltweit Sportinvestments betreibt, so beispielsweise beim Premier-League-Verein Crystal Palace. Über die Bolt Football Holdings hat er Anfang 2021 für 5,5 Millionen Euro 45 Prozent der Anteile am FC Augsburg erworben, was laut „Kicker“ in Hinblick auf die DFL „manch einer als Interessenkonflikt betrachtet“. 

Schwerer wiegt unter Menschenrechtsaspekten ein Bericht der „Washington Post“ vom Februar 2023, wonach es in dem Blackstone-Unternehmen „Packers Sanitation Services Inc“ zu systematischer Kinderarbeit gekommen ist. Demnach wurden 102 Minderjährige im Alter von 13 Jahren in der US-amerikanischen Fleischindustrie eingesetzt, um beispielsweise Schlachtanlagen zu reinigen. 

Und das sind also mögliche „Partner“ für die DFL???

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Wir wollen internationale Turniere wie WM, EM oder Klub-WM kritisch begleiten, fragen nach Menschenrechten im Gastgeberland, nach Lieferketten der Sponsoren, nach Entscheidungsprozessen bei FIFA und UEFA.
Unsere aktuellen Themenfelder sind Saudi-Arabien, wo 2023 die Klub-Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Und natürlich die EM 2024, denn vor die eigene Haustür wollen und müssen wir auch genau hinschauen.
Informiert euch auf unserer Homepage, bei Facebook, Twitter oder Instagram über unsere Aktivitäten. Mitstreiter*innen sind natürlich herzlich willkommen. Meldet euch einfach per Email bei uns: 

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